Vers-für-Vers-Studie

Lukas 2 · Notizen

Provisorisch

Leseanleitung
Haupttext: Primärübersetzung — lesbar, aber treu zur griechischen Struktur. Notizen: Wesentliche griechische Merkmale direkt unter jedem Vers.

Wie der Text markiert ist:
Kursive Wörter — für die deutsche Grammatik ergänzt (nicht im griechischen Text)
Wind/Geist — ein Wort, das das Griechische in zwei Bedeutungen offenlässt, beide beibehalten
"…" — direkte Rede Gottes oder des heiligen Wind/Geistes

Notizen sind nach Typ gekennzeichnet — Kritisch · Lexikalisch · Grammatisch · Theologisch — jeweils mit ihrer Farbe (siehe die Legende oben in der Notizen-Ansicht).

Lukas 2 ist das Kapitel der Geburt. Ein Volkszählungsedikt des Kaisers Augustus, unter Quirinius, bringt Yosef und die schwangere Miryam von Natzeret nach Beit-Lechem, der Stadt Davids (V.1-5); dort wird Yeshua geboren und in eine Futterkrippe gelegt, „weil kein Platz für sie im Kataluma war" (V.6-7). Boten verkünden die Geburt Hirten, und das himmlische Heer singt das Gloria (V.8-20). Am achten Tag wird das Kind beschnitten und benannt; es wird im Tempel zu Yerushalayim dargestellt, wo Shimon es empfängt und das Nunc Dimittis singt, dann zu Miryam spricht (V.21-35), und die Prophetin Channah dankt (V.36-38). Die Familie kehrt nach Natzeret zurück, und das Kind wächst (V.39-40). Mit zwölf bleibt der Knabe Yeshua im Tempel und wird unter den Lehrern gefunden; seine Worte an seine Eltern sind der einzige aus seiner Jugend überlieferte Ausspruch (V.41-52). Hinweis zur Redemarkierung (Regel 30): der Bote und das himmlische Heer (das Gloria, V.13-14) sind von angelos-Klasse — ihre Rede wird NICHT als göttlich markiert. Shimons und Channahs Worte sind menschlich — nicht markiert. Nur der Ausspruch des Knaben Yeshua (V.49) wird göttlich markiert. Die beiden Cantica (Gloria, Nunc Dimittis) sind menschliche/engelhafte Rede, als fließende Prosa wiedergegeben. Eigennamen folgen der TT-Transliteration: Yeshua (Jesus), Miryam (Maria), Yosef (Josef), Beit-Lechem (Bethlehem), Natzeret (Nazareth), Yerushalayim (Jerusalem), Shimon (Simeon), Channah (Hanna).

KritischLexikalischGrammatischTheologisch

Ergänzend — Muster im ganzen Kapitel

1

Und es geschah in jenen Tagen, dass ein Edikt vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen bewohnten Erdkreis einzutragen.

KRITISCH — DIE VOLKSZÄHLUNG UND DIE IMPERIALE RAHMUNG
- δόγμα παρὰ Καίσαρος Αὐγούστου ἀπογράφεσθαι πᾶσαν τὴν οἰκουμένην (dogma para Kaisaros Augoustou apographesthai pasan tēn oikoumenēn) = „ein Edikt vom Kaiser Augustus, den ganzen bewohnten Erdkreis einzutragen." Lukas verortet die Geburt auf der Bühne der Weltgeschichte; oikoumenē („der bewohnte Erdkreis") ist die rhetorische Reichweite römischer Macht. Der Kontrast zwischen Caesars Edikt und der verborgenen Geburt des wahren Königs ist strukturell. → Zur Volkszählung, ihren Datierungsproblemen und zu Augustus siehe Begleitmaterial §A1.
KAISER AUGUSTUS — TT-TRANSLITERATION
- Καῖσαρ Αὔγουστος (Kaisar Augoustos) = Kaiser Augustus (Gaius Octavius / Imperator Caesar Divi Filius Augustus, reg. 27 v. Chr.–14 n. Chr.). Die TT behält die vertraute lateinisch abgeleitete Form; kein Hebräisch liegt zugrunde.
„UND ES GESCHAH" — *EGENETO* (SEPTUAGINTISMUS)
- Ἐγένετο δέ (Egeneto de) = „Und es geschah." Die septuagintische Erzählformel setzt sich aus Kapitel 1 fort. Die TT bewahrt die Formel und fügt dass kursiv vor dem abhängigen Satz hinzu.
2

Diese Eintragung war die erste, während Quirinius Syrien verwaltete.

KRITISCH — QUIRINIUS — DIE DATIERUNGS-CRUX
- αὕτη ἀπογραφὴ πρώτη ἐγένετο ἡγεμονεύοντος τῆς Συρίας Κυρηνίου (hautē apographē prōtē egeneto hēgemoneuontos tēs Syrias Kyrēniou) = „diese Eintragung war erste, während Quirinius Syrien verwaltete." Die bekannte Volkszählung des Quirinius fiel auf ca. 6 n. Chr. — rund ein Jahrzehnt nach dem Tod Herodes' des Großen (4 v. Chr.), unter dem Lukas 1,5 die Empfängnis des Johannes ansetzt. πρώτη (prōtē, „erste") ist umstritten: „die erste Eintragung" vs. „bevor Quirinius verwaltete" (ein komparativer Sinn). Die TT gibt die Oberfläche wieder („die erste, während Quirinius verwaltend") und kennzeichnet die historische Schwierigkeit zur Begutachtung. → Zum Quirinius-Problem und vorgeschlagenen Lösungen siehe Begleitmaterial §A1. [historisch — UNSICHER]
QUIRINIUS / SYRIEN — TT-TRANSLITERATION
- Κυρήνιος (Kyrēnios) = Quirinius (Publius Sulpicius Quirinius). Συρία (Syria) = die römische Provinz Syrien. Die TT behält die vertrauten lateinisch abgeleiteten Formen.
3

Und alle gingen, sich eintragen zu lassen, jeder in seine eigene Stadt.

„JEDER IN SEINE EIGENE STADT" — *EIS TĒN HEAUTOU POLIN

ἐπορεύοντο πάντες ἀπογράφεσθαι, ἕκαστος εἰς τὴν ἑαυτοῦ πόλιν (
eporeuonto pantes apographesthai, hekastos eis tēn heautou polin) = „alle gingen, sich eintragen zu lassen, jeder in seine eigene Stadt." Ob eine römische Volkszählung die Rückkehr in eine angestammte Stadt erforderte, ist historisch umstritten; die TT gibt den Text wieder und überlässt die Praxis dem Begleitmaterial. Das Imperfekt eporeuonto* vermittelt die allgemeine Bewegung.
4

Und auch Yosef (Josef) zog hinauf von Galiläa, aus der Stadt Natzeret (Nazareth), nach Yehudah (Judäa), zu der Stadt Davids, die Beit-Lechem (Bethlehem) heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war,

KRITISCH — BEIT-LECHEM, DIE STADT DAVIDS (MI 5,1)
- εἰς πόλιν Δαυὶδ ἥτις καλεῖται Βηθλέεμ (eis polin Dauid hētis kaleitai Bēthleem) = „zu der Stadt Davids, die Bethlehem heißt." Beit-Lechem ist Davids Heimatstadt (1 Sam 16,1; 17,12) und, in Micha 5,1 (engl. 5,2), der Geburtsort des kommenden Herrschers. Lukas' „Stadt Davids" ist hier Bethlehem (im Gegensatz zur üblichen „Stadt Davids" = die Zitadelle Jerusalems) — die davidische Abstammung Josefs (und so Yeshuas) ist der Motor der Reise. → Zum Bethlehem/Micha-Hintergrund siehe das PROPHETIE-Begleitmaterial. [theologisch — WAHRSCHEINLICH]
TT-TRANSLITERATIONEN — ERSTE VORKOMMEN
- Ἰωσήφ (Iōsēph) = Yosef (Hebräisch: Yosef, „er fügt hinzu"). Vertraut: Josef.
Ναζαρέθ (Nazareth) = Natzeret. Vertraut: Nazareth.
Βηθλέεμ (Bēthleem) = Beit-Lechem (Hebräisch: Beit-Lechem, „Haus des Brotes"). Vertraut: Bethlehem.
Ἰουδαία (Ioudaia) = Yehudah. Vertraut: Judäa. Die TT gibt den Namen der Region in Übereinstimmung mit Kapitel 1 wieder.
5

um sich eintragen zu lassen zusammen mit Miryam (Maria), die ihm verlobt war und die schwanger war.

„VERLOBT… SCHWANGER" — *EMNĒSTEUMENĒ… ENKYŌ

σὺν Μαριὰμ τῇ ἐμνηστευμένῃ αὐτῷ, οὔσῃ ἐγκύῳ (
syn Mariam tē emnēsteumenē autō, ousē enkyō) = „mit Maria, die ihm verlobt war, schwanger seiend." Lukas nennt Maria weiterhin „verlobt" (nicht „Frau") und bewahrt den ungelösten Status aus 1,27 und Matthäus 1,18-25; enkyos („schwanger") nennt ihren Zustand schlicht. Die TT behält „verlobt" und fügt und* kursiv für das angehängte Partizip hinzu.
MIRYAM — TT-TRANSLITERATION
- Μαριάμ (Mariam) = Miryam (Hebräisch: Miryam). Vertraut: Maria.
6

Und es geschah, während sie dort waren, dass die Tage erfüllt wurden, dass sie gebären sollte,

„DIE TAGE WURDEN ERFÜLLT" — *EPLĒSTHĒSAN HAI HĒMERAI

ἐπλήσθησαν αἱ ἡμέραι τοῦ τεκεῖν αὐτήν (
eplēsthēsan hai hēmerai tou tekein autēn*) = „die Tage wurden erfüllt, dass sie gebäre." Dieselbe Erfüllung-der-Zeit-Formulierung, die für Elisabeth verwendet wird (1,57) und in der LXX verwurzelt ist (Gen 25,24). Die TT behält das septuagintische Idiom.
7

und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Tuchstreifen und legte ihn in eine Futterkrippe/Krippe, weil kein Platz für sie im Gästezimmer/in der Herberge war.

KRITISCH — *KATALYMA* („GÄSTEZIMMER / HERBERGE") — ÜBERSETZUNGS-CRUX
- οὐκ ἦν αὐτοῖς τόπος ἐν τῷ καταλύματι (ouk ēn autois topos en tō katalymati) = „es war kein Platz für sie im Katalyma." Katalyma ist ein allgemeines Wort für „Unterkunft", und anderswo bei Lukas bedeutet es „Gästezimmer" (22,11, der Raum für das Passa-Mahl). Wenn Lukas eine kommerzielle Herberge meint, verwendet er ein anderes Wort, pandocheion (10,34). Daher ist „Gästezimmer" (ein oberes oder Nebenzimmer eines Hauses, bereits voll) eine starke Lesart und „Herberge/Unterkunft" die traditionelle — beide werden beibehalten. Die TT markiert Gästezimmer/in der Herberge und kennzeichnet dies als bekannte Crux zur Begutachtung. → Zu katalyma vs. pandocheion und dem Geburtsschauplatz siehe Begleitmaterial §D1. [lexikalisch — WAHRSCHEINLICH]
„ERSTGEBORENER SOHN" — *PRŌTOTOKOS

τὸν υἱὸν αὐτῆς τὸν πρωτότοκον (
ton huion autēs ton prōtotokon) = „ihren erstgeborenen Sohn." Prōtotokos* ist der rechtlich-kultische Begriff für den Erstgeborenen (Ex 13,2), relevant für den Lösungsritus von V.22-24. Er nennt die Geburtsreihenfolge, ohne selbst spätere Kinder zu implizieren; die TT gibt „erstgeboren" wieder und entscheidet die Frage nicht. [lexikalisch — WAHRSCHEINLICH]
„FUTTERKRIPPE / KRIPPE" — *PHATNĒ

ἐν φάτνῃ (
en phatnē) = „in einer phatnē." Phatnē ist die Futterkrippe eines Tieres (so „Krippe"); es kann auch einen Stall/Futterplatz bezeichnen. Die TT markiert Futterkrippe/Krippe, um den schlichten Gegenstand hinter der traditionellen „Krippe" sichtbar zu halten. „Tuchstreifen" gibt esparganōsen wieder (sparganoō*, „in Wickelbänder einwickeln") — gewöhnliche Säuglingspflege, kein besonderes Zeichen an sich.
8

Und es waren Hirten in derselben Gegend, die auf dem Feld lebten und die Nachtwachen über ihre Herde hielten.

„HIRTEN… WACHE HALTEND" — DIE GERINGEN ZEUGEN (DAVID-WIDERHALL)
- ποιμένες… ἀγραυλοῦντες καὶ φυλάσσοντες φυλακὰς τῆς νυκτός (poimenes… agraulountes kai phylassontes phylakas tēs nyktos) = „Hirten, die auf dem Feld lebten und die Nachtwachen hielten." Hirten waren ein geringer, mitunter verdächtiger Beruf; dass die Geburt ihnen zuerst verkündet wird, setzt das Umkehr-Thema fort und erinnert an David, den Hirten von Bethlehem (1 Sam 16,11). Die TT fügt auf dem und die kursiv für die elliptischen Wendungen hinzu.
9

Und ein Bote des Herrn trat vor sie, und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht.

KRITISCH — *ANGELOS KYRIOU* UND *DOXA KYRIOU* (REGEL 30 + OPTION C)
- ἄγγελος κυρίου ἐπέστη… καὶ δόξα κυρίου περιέλαμψεν (angelos kyriou epestē… kai doxa kyriou perielampsen) = „ein Bote des Herrn trat herzu… und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte." Angelos kyriou gibt das LXX malakh JHWH wieder (wie in 1,11); doxa kyriou gibt das kavod JHWH wieder, die sichtbare Herrlichkeitsgegenwart (Ex 24,16-17 LXX). Nach Option C: kyriou = „der Herr", Bezug JHWH (Wahrscheinlich). Wichtig (Regel 30): der Bote ist angelos, nicht Gott — seine Rede (V.10-12) wird NICHT göttlich markiert. → Zum malakh-/kavod-Hintergrund siehe Begleitmaterial §A6.
„FÜRCHTETEN SICH MIT GROSSER FURCHT" — *EPHOBĒTHĒSAN PHOBON MEGAN

ἐφοβήθησαν φόβον μέγαν (
ephobēthēsan phobon megan) = „sie fürchteten eine große Furcht" — ein semitischer Akkusativ der inneren Verwandtschaft (vgl. Hebräisch yare'u yir'ah gedolah). Die TT fügt mit* kursiv hinzu und behält die Kraft der verdoppelten Konstruktion.
10

Und der Bote sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht; denn siehe, ich bringe euch gute Nachricht von einer großen Freude, die für das ganze Volk sein wird,

KRITISCH — BOTEN-REDE NICHT GÖTTLICH MARKIERT (REGEL 30)
- Die Verkündigung des Boten (V.10-12) wird in gewöhnlichen Anführungszeichen wiedergegeben, NICHT mit den -Markern göttlicher Rede. Nach der redaktionellen Entscheidung (luke.md L-001) und dem Matthäus/Markus-Präzedenzfall ist ein angelos ein Bote, nicht Gott; nur die direkte Rede Gottes oder des heiligen Windes/Geistes wird markiert. Die TT lässt Boten-Rede nicht in göttliche Rede zusammenfallen.
„ICH BRINGE GUTE NACHRICHT… GROSSE FREUDE" — *EUANGELIZOMAI… CHARAN MEGALĒN

εὐαγγελίζομαι ὑμῖν χαρὰν μεγάλην (
euangelizomai hymin charan megalēn) = „ich bringe euch gute Nachricht von einer großen Freude." Das Verb (verwandt mit euangelion) und das Stichwort „Freude" knüpfen an 1,14; 1,44; 1,47 an. παντὶ τῷ λαῷ (panti tō laō, „für das ganze Volk") — laos* ist Israel als Gottes Volk; die weitere Reichweite zu „den Nationen" taucht in Simeons Lied auf (V.32).
11

denn heute wurde euch ein Retter geboren in der Stadt Davids, der Messias ist, Herr.

KRITISCH — „EIN RETTER… MESSIAS, HERR" — *SŌTĒR… CHRISTOS KYRIOS

ἐτέχθη ὑμῖν σήμερον σωτὴρ ὅς ἐστιν Χριστὸς κύριος (
etechthē hymin sēmeron sōtēr hos estin Christos kyrios) = „heute wurde euch ein Retter geboren, der Messias ist, Herr." Die ungewöhnliche Nebeneinanderstellung Χριστὸς κύριος (Christos kyrios, „Messias, Herr" / „Messias Herr") ist selten und grammatisch umstritten (Apposition „Messias, Herr"; oder „der Messias des Herrn", indem man eine textliche/grammatische Variante Christos kyriou liest, wie in V.26). Die TT gibt die NA28-Nominative wieder „Messias, Herr" und vermerkt die Crux. Sōtēr („Retter") und diese Titel, auf ein Kind angewandt, stehen gegen die imperialen Ehrentitel des Augustus (sōtēr, „Herr"). Χριστός = „Gesalbter" = Hebräisch Mashiach; die TT gibt „Messias" wieder. → siehe Glossar, Christos*; Begleitmaterial §D2. [grammatisch-theologisch — MÖGLICH]
12

Und dies ist das Zeichen für euch: ihr werdet ein Kind finden, in Tuchstreifen gewickelt und in einer Futterkrippe liegend."

„DAS ZEICHEN… EIN KIND IN EINER FUTTERKRIPPE" — *SĒMEION

τοῦτο ὑμῖν τὸ σημεῖον (
touto hymin to sēmeion) = „dies ist das Zeichen für euch." Das Zeichen ist paradox: nicht Herrlichkeit, sondern ein armes Kind in einer Futterkrippe. βρέφος (brephos) = „Kind/Säugling" (wie 1,41.44). Die TT fügt ist* kursiv hinzu (keine Kopula) und behält Futterkrippe/Krippe konsistent mit V.7 (hier innerhalb des vom Boten zitierten Zeichens, als „Futterkrippe" wiedergegeben).
13

Und plötzlich war mit dem Boten eine Menge des himmlischen Heeres, die Gott pries und sagte:

KRITISCH — DAS HIMMLISCHE HEER: VON *ANGELOS*-KLASSE, NICHT GÖTTLICH MARKIERT (REGEL 30)
- πλῆθος στρατιᾶς οὐρανίου (plēthos stratias ouraniou) = „eine Menge des himmlischen Heeres/Armee." Stratia ourania ist die Engelarmee (vgl. 1 Kön 22,19; Ps 103,21 LXX). Ihr Lied (das Gloria, V.14) ist Rede von angelos-Klasse und wird daher NICHT göttlich markiert, genau wie die Worte des einzelnen Boten. → siehe luke.md L-001.
14

„Herrlichkeit in der Höhe Gott, und auf Erden Friede unter Menschen seiner Gunst."

KRITISCH — DAS GLORIA: *EUDOKIAS* (GENITIV) — ÜBERSETZUNGS-CRUX
- δόξα ἐν ὑψίστοις θεῷ καὶ ἐπὶ γῆς εἰρήνη ἐν ἀνθρώποις εὐδοκίας (doxa en hypsistois theō kai epi gēs eirēnē en anthrōpois eudokias) = „Herrlichkeit in der Höhe Gott, und auf Erden Friede unter Menschen des Wohlgefallens/der Gunst." NA28 liest den Genitiv εὐδοκίας (eudokias) — „Friede unter Menschen seiner (Gottes) Gunst/seines Wohlgefallens", d. h. denen, auf denen Gottes Gunst ruht (eine semitische Konstruktion, vgl. Qumran „Söhne (Gottes) Wohlgefallens"). Das ältere „Wohlgefallen den Menschen" beruht auf einer Variante Nominativ εὐδοκία (eudokia). Die TT folgt dem Genitiv und gibt „Menschen seiner Gunst" wieder, ergänzt seiner kursiv und kennzeichnet den Kasus als bekannte Crux. Beachte auch, dass dies ein zweizeiliges Verspaar ist („Herrlichkeit… Friede"), nicht drei. → Zu eudokia(s) und der textlichen Entscheidung siehe Begleitmaterial §D3. [textkritisch / lexikalisch — WAHRSCHEINLICH]
REGEL 30 — DAS GLORIA NICHT GÖTTLICH MARKIERT; ALS PROSA WIEDERGEGEBEN
- Das Gloria ist das Lied des himmlischen Heeres (V.13), eines Sprechers von angelos-Klasse — daher NICHT mit markiert. Als Cantica ist es als fließende Prosa verfasst (luke.md L-002), keine Zeilenumbrüche. Hypsistois („die höchsten Orte") spiegelt hypsistos („der Höchste") aus Kapitel 1.
15

Und es geschah, als die Boten von ihnen in den Himmel weggingen, dass die Hirten zueinander sagten: „Lasst uns denn nach Beit-Lechem (Bethlehem) gehen und diese Sache sehen, die geschehen ist, die der Herr uns kundgetan hat."

„DIESE SACHE… DIE DER HERR KUNDGETAN HAT" — *RHĒMA* (OPTION C)
- τὸ ῥῆμα τοῦτο τὸ γεγονὸς ὃ ὁ κύριος ἐγνώρισεν ἡμῖν (to rhēma touto to gegonos ho ho kyrios egnōrisen hēmin) = „diese Sache, die geschehen ist, die der Herr uns kundgetan hat." Rhēma bedeutet sowohl „Wort" als auch „Ding/Sache" (semitisch davar); hier das Ereignis selbst (also „Sache"). Nach Option C: kyrios = „der Herr", Bezug JHWH (Wahrscheinlich) — obwohl es der Bote war, der sprach, schreiben die Hirten die Verkündigung dem Herrn zu.
16

Und sie kamen eilend und fanden sowohl Miryam (Maria) als auch Yosef (Josef) und das Kind, das in der Futterkrippe lag.

„KAMEN EILEND… FANDEN" — *SPEUSANTES… ANEURAN

ἦλθαν σπεύσαντες καὶ ἀνεῦραν (
ēlthan speusantes kai aneuran) = „sie kamen eilend und fanden." Aneuriskō* („durch Suchen finden") und das „Eilen" vermitteln die eifrige Reaktion der Hirten. Das „Zeichen" von V.12 wird genau bestätigt — das Kind in der Futterkrippe.
17

Und als sie dies sahen, taten sie das Wort kund, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

„TATEN DAS WORT KUND" — *EGNŌRISAN PERI TOU RHĒMATOS

ἐγνώρισαν περὶ τοῦ ῥήματος τοῦ λαληθέντος αὐτοῖς (
egnōrisan peri tou rhēmatos tou lalēthentos autois) = „sie taten kund über das Wort, das ihnen gesagt worden war." Die Hirten werden die ersten menschlichen Herolde. Rhēma* ist hier die gesprochene Verkündigung; die TT behält „Wort."
18

Und alle, die es hörten, wunderten sich über die Dinge, die ihnen von den Hirten gesagt wurden.

„WUNDERTEN SICH" — *ETHAUMASAN

πάντες οἱ ἀκούσαντες ἐθαύμασαν (
pantes hoi akousantes ethaumasan) = „alle, die hörten, wunderten sich." Verwunderung (thaumazō) ist eine wiederkehrende Reaktion in der Kindheitserzählung (1,21.63; 2,33.48). Die TT fügt Dinge* kursiv für den neutralen Plural hinzu.
19

Maria aber bewahrte alle diese Dinge und erwog sie in ihrem Herzen.

KRITISCH — MARIA „BEWAHREND… ERWÄGEND" — *SYNETĒREI… SYMBALLOUSA

ἡ δὲ Μαριὰμ πάντα συνετήρει τὰ ῥήματα ταῦτα συμβάλλουσα ἐν τῇ καρδίᾳ αὐτῆς (
hē de Mariam panta synetērei ta rhēmata tauta symballousa en tē kardia autēs) = „Maria aber bewahrte alle diese Dinge und erwog sie in ihrem Herzen." Syntēreō = „bewahren, aufbewahren, hüten"; symballō = „zusammenwerfen, erwägen, abwägen, deuten." Das Motiv kehrt in V.51 wieder und spiegelt Jakob (Gen 37,11 LXX, „sein Vater bewahrte die Sache"). Rhēmata* wieder „Dinge/Worte." Die TT gibt das innere, deutende Bewahren wieder. [lexikalisch — WAHRSCHEINLICH]
20

Und die Hirten kehrten zurück, Gott verherrlichend und preisend für alles, was sie gehört und gesehen hatten, ganz wie es ihnen gesagt worden war.

„GOTT VERHERRLICHEND UND PREISEND" — *DOXAZONTES KAI AINOUNTES

δοξάζοντες καὶ αἰνοῦντες τὸν θεόν (
doxazontes kai ainountes ton theon) = „Gott verherrlichend und preisend." Die Reaktion der Hirten spiegelt die engelhafte „Herrlichkeit" (V.14); der Bericht wird bestätigt („ganz wie es gesagt worden war"). Die TT fügt was* kursiv für den neutralen Relativsatz hinzu.
21

Und als acht Tage erfüllt waren, ihn zu beschneiden, wurde sein Name Yeshua (Jesus) genannt, der Name, der vom Boten genannt worden war, bevor er im Mutterleib empfangen wurde.

„ACHT TAGE… BESCHNEIDEN… BENANNT" — TORA-BEACHTUNG (GEN 17,12)
- ὅτε ἐπλήσθησαν ἡμέραι ὀκτὼ τοῦ περιτεμεῖν αὐτόν (hote eplēsthēsan hēmerai oktō tou peritemein auton) = „als acht Tage erfüllt waren, ihn zu beschneiden." Wie Johannes (1,59) wird Yeshua am achten Tag nach Gen 17,12 / Lev 12,3 beschnitten. Der Name Yeshua wurde vom Boten vor der Empfängnis gegeben (1,31) — die Benennung erfüllt die Ankündigung. Die TT behält die Parallele zur Beschneidung-und-Benennung des Johannes.
22

Und als die Tage ihrer Reinigung erfüllt waren, nach dem Gesetz des Mosheh (Mose), brachten sie ihn hinauf nach Yerushalayim (Jerusalem), um ihn dem Herrn darzustellen —

„IHRE REINIGUNG… DEM HERRN DARSTELLEN" — LEV 12 / EX 13
- αἱ ἡμέραι τοῦ καθαρισμοῦ αὐτῶν κατὰ τὸν νόμον Μωϋσέως (hai hēmerai tou katharismou autōn kata ton nomon Mōuseōs) = „die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose." Lukas verbindet zwei verschiedene Riten: die Reinigung der Mutter nach der Geburt (Lev 12) und die Darstellung/Lösung des Erstgeborenen (Ex 13,2.12-15). „Ihre" Reinigung ist etwas ungenau (das Gesetz reinigt die Mutter); die TT behält „ihre" wie im Griechischen. → Zu den beiden Riten siehe Begleitmaterial §A3.
TT-TRANSLITERATIONEN
- Μωϋσῆς (Mōusēs) = Mosheh (Hebräisch: Mosheh). Vertraut: Mose.
Ἱεροσόλυμα (Hierosolyma) = Yerushalayim (Hebräisch: Yerushalayim). Vertraut: Jerusalem.
23

so wie es geschrieben steht im Gesetz des Herrn, dass „jedes Männliche, das den Mutterschoß öffnet, dem Herrn heilig genannt werden wird" —

KRITISCH — ZITAT VON EX 13,2.12 (OPTION C)
- πᾶν ἄρσεν διανοῖγον μήτραν ἅγιον τῷ κυρίῳ κληθήσεται (pan arsen dianoigon mētran hagion tō kyriō klēthēsetai) = „jedes Männliche, das den Mutterschoß öffnet, dem Herrn heilig genannt werden wird." Ein zusammengesetztes Zitat von Ex 13,2.12 (die Weihung jedes erstgeborenen Männlichen). Der zugrunde liegende Text liest JHWH; nach Option C gibt die TT „der Herr" wieder, Bezug JHWH (Wahrscheinlich). „Den Mutterschoß öffnend" (dianoigon mētran) ist das hebräische Idiom peter rechem für den Erstgeborenen. → siehe Begleitmaterial §A3.
24

und um ein Opfer zu geben nach dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist, „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben."

„EIN PAAR TURTELTAUBEN" — DAS OPFER DES ARMEN (LEV 12,8)
- ζεῦγος τρυγόνων ἢ δύο νοσσοὺς περιστερῶν (zeugos trygonōn ē dyo nossous peristerōn) = „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben." Dies ist das Opfer, das das Gesetz denen erlaubt, die sich kein Lamm leisten können (Lev 12,8) — ein leises Signal für die Armut der Familie, konsistent mit der Futterkrippe und den Hirten. Bezug von kyriou: JHWH (Wahrscheinlich, Option C). → siehe Begleitmaterial §A3.
25

Und siehe, es war ein Mann in Yerushalayim (Jerusalem), dessen Name Shimon (Simeon) war, und dieser Mann war gerecht und fromm und erwartete den Trost Israels, und der heilige Wind/Geist war auf ihm.

KRITISCH — SHIMON: „DER TROST ISRAELS" (JES 40,1)
- προσδεχόμενος παράκλησιν τοῦ Ἰσραήλ (prosdechomenos paraklēsin tou Israēl) = „erwartend den Trost Israels." Paraklēsis („Trost, Tröstung") ruft Jesaja 40,1 hervor („Tröstet, tröstet mein Volk") — die Hoffnung auf Israels eschatologische Befreiung. Simeon repräsentiert den treuen Rest. → Zum „Trost/Erlösung"-Rest-Motiv siehe Begleitmaterial §A6 und das PROPHETIE-Begleitmaterial. [theologisch — WAHRSCHEINLICH]
SHIMON — TT-TRANSLITERATION; *PNEUMA HAGION

Συμεών (
Symeōn) = Shimon (Hebräisch: Shimon, „er hat gehört"). Vertraut: Simeon. πνεῦμα ἦν ἅγιον ἐπ' αὐτόν (pneuma ēn hagion ep' auton) = „der heilige Wind/Geist war auf ihm." Anarthrisch; Schrägstrich nach gesperrtem Glossar, vermeidet den Titel „der Heilige Geist." Die TT fügt der* kursiv hinzu.
26

Und es war ihm durch den heiligen Wind/Geist offenbart worden, dass er den Tod nicht sehen würde, bevor er den Messias des Herrn sähe.

KRITISCH — „DER MESSIAS DES HERRN" — *CHRISTON KYRIOU* (OPTION C)
- πρὶν ἢ ἂν ἴδῃ τὸν Χριστὸν κυρίου (prin ē an idē ton Christon kyriou) = „bevor er den Messias des Herrn sähe." Χριστὸς κυρίου (Christos kyriou, „Messias des Herrn") = LXX mashiach JHWH, der Gesalbte des Herrn (vgl. 1 Sam 24,7; Klgl 4,20). Der Genitiv kyriou gibt JHWH wieder (Option C, „der Herr", Wahrscheinlich); im Gegensatz zur nominativischen Nebeneinanderstellung in V.11. Die TT gibt „der Messias des Herrn" wieder.
„OFFENBART DURCH DEN WIND/GEIST" — *KECHRĒMATISMENON

ἦν αὐτῷ κεχρηματισμένον ὑπὸ τοῦ πνεύματος (
ēn autō kechrēmatismenon hypo tou pneumatos) = „es war ihm offenbart worden durch den Wind/Geist." Chrēmatizō = „ein göttliches Orakel/eine göttliche Weisung geben." Das perfektische Periphrasticum vermittelt eine bleibende Offenbarung. Schrägstrich bei pneuma* nach dem gesperrten Glossar.
27

Und er kam im Wind/Geist in den Tempel; und als die Eltern das Kind Yeshua (Jesus) hereinbrachten, damit man an ihm nach dem Brauch des Gesetzes täte,

„IM WIND/GEIST" — *EN TŌ PNEUMATI

ἦλθεν ἐν τῷ πνεύματι εἰς τὸ ἱερόν (
ēlthen en tō pneumati eis to hieron) = „er kam im Wind/Geist in den Tempel." En tō pneumati = unter dem Antrieb des Windes/Geistes. τὸ ἱερόν (to hieron) = der Tempelkomplex (die weiteren Bezirke), unterschieden vom naos (Heiligtum) aus 1,9. Die TT behält den Schrägstrich bei pneuma*.
28

nahm auch er es in seine Arme und pries Gott und sagte:

„NAHM ES IN SEINE ARME" — *EDEXATO EIS TAS ANKALAS

αὐτὸς ἐδέξατο αὐτὸ εἰς τὰς ἀγκάλας (
autos edexato auto eis tas ankalas) = „er nahm es in die/seine Arme." Die innige Geste rahmt das Nunc Dimittis. Die TT fügt seine kursiv für den bloßen Artikel hinzu. Eulogēsen ton theon* („pries Gott") leitet das Cantica ein — menschlicher Lobpreis, keine göttliche Rede.
29

„Nun entlässt du deinen Knecht, Gebieter, nach deinem Wort, in Frieden,

KRITISCH — DAS NUNC DIMITTIS (V.29-32): MENSCHLICHE REDE, ALS PROSA WIEDERGEGEBEN
- νῦν ἀπολύεις τὸν δοῦλόν σου, δέσποτα, κατὰ τὸ ῥῆμά σου ἐν εἰρήνῃ (nyn apolyeis ton doulon sou, despota, kata to rhēma sou en eirēnē) = „Nun entlässt du deinen Knecht, Gebieter, nach deinem Wort, in Frieden." Simeons Lied ist menschliche Rede (Regel 30) — NICHT göttlich markiert — und, als Cantica, als fließende Prosa verfasst (luke.md L-002). δεσπότης (despotēs, „Gebieter, souveräner Herr") ist hier die Anrede an Gott (nicht kyrios); die TT gibt „Gebieter" wieder. Apolyō („entlassen, gehen lassen") spiegelt das „Entlassung"-Wortfeld (vgl. aphesis, 1,77); ein Sklavenhalter entlässt seinen Diener. → Zur Struktur des Nunc Dimittis siehe das PROPHETIE-Begleitmaterial. [theologisch — WAHRSCHEINLICH]
30

denn meine Augen sahen dein Heil,

„MEINE AUGEN SAHEN DEIN HEIL" — *TO SŌTĒRION* (JES 40,5; 52,10)
- εἶδον οἱ ὀφθαλμοί μου τὸ σωτήριόν σου (eidon hoi ophthalmoi mou to sōtērion sou) = „meine Augen sahen dein Heil." τὸ σωτήριον (to sōtērion, das neutrale Substantiv, „das rettende Ding / Mittel des Heils") spiegelt Jes 40,5 und 52,10 LXX („alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen"). Das Heil wird nun in einem Kind gesehen. → siehe Glossar, sōtērion.
31

das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker,

„VOR DEM ANGESICHT ALLER VÖLKER" — *KATA PROSŌPON PANTŌN TŌN LAŌN

ὃ ἡτοίμασας κατὰ πρόσωπον πάντων τῶν λαῶν (
ho hētoimasas kata prosōpon pantōn tōn laōn) = „das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker." Der Plural laōn („Völker") — weiter als der Singular laos (Israel) aus V.10 — öffnet sich hin zu den Nationen von V.32. Die TT fügt dem* kursiv hinzu.
32

ein Licht zur Offenbarung der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel."

KRITISCH — „LICHT FÜR DIE NATIONEN" (JES 42,6; 49,6)
- φῶς εἰς ἀποκάλυψιν ἐθνῶν καὶ δόξαν λαοῦ σου Ἰσραήλ (phōs eis apokalypsin ethnōn kai doxan laou sou Israēl) = „ein Licht zur Offenbarung der Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel." Das „Licht für die Nationen" (phōs ethnōn) schöpft aus Jesaja 42,6 und 49,6 (der Knecht als „ein Licht der Nationen"). Ethnē („Nationen / Heiden") und Israel werden zusammengehalten — das Heil reicht zu beiden. Der Genitiv ethnōn kann „zur Offenbarung für/von den Nationen" lauten. Die TT ergänzt der und zur kursiv. → siehe das PROPHETIE-Begleitmaterial. [theologisch — WAHRSCHEINLICH]
33

Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über die Dinge, die über ihn gesagt wurden.

„SEIN VATER UND MUTTER" — *HO PATĒR AUTOU

ὁ πατὴρ αὐτοῦ καὶ ἡ μήτηρ (
ho patēr autou kai hē mētēr) = „sein Vater und seine Mutter." Lukas nennt Josef schlicht „seinen Vater" (wie die Eltern sich selbst in V.48 nennen), neben der Erzählung von der jungfräulichen Empfängnis aus Kapitel 1 — die TT bewahrt den ungeglätteten Wortlaut, statt zu harmonisieren. (Einige spätere Zeugen ändern „sein Vater" zu „Josef"; NA28 liest ho patēr autou.) Die TT fügt seine* kursiv für das zweite Possessivum hinzu.
34

Und Shimon (Simeon) segnete sie und sagte zu Miryam (Maria), seiner Mutter: „Siehe, dieser eine ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird —

KRITISCH — „FALL UND AUFSTEHEN… EIN ZEICHEN, DEM WIDERSPROCHEN WIRD" (JES 8,14)
- οὗτος κεῖται εἰς πτῶσιν καὶ ἀνάστασιν πολλῶν ἐν τῷ Ἰσραὴλ καὶ εἰς σημεῖον ἀντιλεγόμενον (houtos keitai eis ptōsin kai anastasin pollōn en tō Israēl kai eis sēmeion antilegomenon) = „dieser eine ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird." Ptōsis kai anastasis („Fall und Aufstehen") ruft den Stein des Anstoßes und des Aufstehens aus Jes 8,14-15 / 28,16 hervor; das Kind teilt Israel. Sēmeion antilegomenon = „ein Zeichen, dem widersprochen/entgegengetreten wird." Simeons Worte sind menschlich — NICHT göttlich markiert. Die TT behält „Fall und Aufstehen" und fügt Fall/dem kursiv hinzu. [theologisch — WAHRSCHEINLICH]
35

und ein Schwert wird auch durch deine eigene Seele dringen — damit die Überlegungen vieler Herzen offenbar werden."

KRITISCH — „EIN SCHWERT WIRD DURCH DEINE SEELE DRINGEN" — *ROMPHAIA

καὶ σοῦ δὲ αὐτῆς τὴν ψυχὴν διελεύσεται ῥομφαία (
kai sou de autēs tēn psychēn dieleusetai rhomphaia) = „und ein Schwert wird auch durch deine eigene Seele dringen." ῥομφαία (rhomphaia*) = ein großes Breitschwert (das LXX-Wort, z. B. Ez 14,17). Der Sinn ist umstritten — Marias Schmerz über das Leiden ihres Sohnes; das teilende/scheidende Wort (vgl. Hebr 4,12); oder Israels Spaltung, die selbst sie erreicht. Der Satz ist parenthetisch und unterbricht den Satz vom „Zeichen, dem widersprochen wird" (wiederaufgenommen durch „damit… offenbar werden"). Die TT gibt das Bild wörtlich wieder und vermerkt die Offenheit. → siehe Begleitmaterial §D4. [lexikalisch-theologisch — MÖGLICH]
36

Und es war Channah (Hanna), eine Prophetin, eine Tochter Penuels, aus dem Stamm Asher; sie war vorgerückt in vielen Tagen, nachdem sie sieben Jahre von ihrer Jungfräulichkeit an mit einem Mann gelebt hatte,

CHANNAH (HANNA) DIE PROPHETIN — DIE TREUE WITWE
- Ἅννα προφῆτις, θυγάτηρ Φανουήλ, ἐκ φυλῆς Ἀσήρ (Hanna prophētis, thygatēr Phanouēl, ek phylēs Asēr) = „Hanna, eine Prophetin, Tochter Penuels, aus dem Stamm Asher." Eine Prophetin (vgl. Miryam, Devorah, Chuldah) gibt ein weibliches Zeugnis neben Simeon. Ihr Name Channah = Hanna (1 Sam 1) und bindet die Szene erneut an jene Mutter. Phanouēl = Penuel („Angesicht Gottes", Gen 32,31). Die TT behält die Namen und fügt eine/dem kursiv hinzu.
TT-TRANSLITERATIONEN
- Ἅννα (Hanna) = Channah (Hebräisch: Channah, „Gunst / Gnade"). Vertraut: Hanna. Φανουήλ (Phanouēl) = Penuel. Ἀσήρ = Asher.
37

und sie war eine Witwe bis zu vierundachtzig Jahren, die nicht vom Tempel wich und mit Fasten und Bitten Nacht und Tag diente.

„WITWE… VIERUNDACHTZIG… DIENEND NACHT UND TAG" — *LATREUOUSA

χήρα ἕως ἐτῶν ὀγδοήκοντα τεσσάρων… λατρεύουσα νύκτα καὶ ἡμέραν (
chēra heōs etōn ogdoēkonta tessarōn… latreuousa nykta kai hēmeran) = „eine Witwe bis zu vierundachtzig Jahren… dienend Nacht und Tag." „Vierundachtzig" kann ihr Alter oder die Dauer ihrer Witwenschaft sein (das Griechische lässt beides zu); die TT gibt „bis zu vierundachtzig Jahren" wieder und lässt es offen. Latreuō = kultischer Dienst/Gottesdienst (wie 1,74). Die TT fügt war* kursiv hinzu.
38

Und zu derselben Stunde trat sie hinzu, dankte Gott und sprach über ihn zu allen, die die Erlösung Yerushalayims (Jerusalems) erwarteten.

„DIE ERLÖSUNG YERUSHALAYIMS (JERUSALEMS)" — *LYTRŌSIN* (JES 52,9)
- τοῖς προσδεχομένοις λύτρωσιν Ἰερουσαλήμ (tois prosdechomenois lytrōsin Ierousalēm) = „zu denen, die die Erlösung Jerusalems erwarteten." Lytrōsis („Erlösung, Loskauf") entspricht dem Benedictus (1,68) und ruft Jes 52,9 hervor („der Herr hat sein Volk getröstet, Jerusalem erlöst"). Hannas Hörer sind derselbe erwartende Rest wie Simeon. (Hier verwendet Lukas die Schreibung Ἰερουσαλήμ, die hebraisierende indeklinable Form.) Die TT behält „Erlösung."
39

Und als sie alles nach dem Gesetz des Herrn vollendet hatten, kehrten sie nach Galiläa zurück, in ihre eigene Stadt Natzeret (Nazareth).

„NACH DEM GESETZ DES HERRN" — TORA-RAHMEN GESCHLOSSEN (OPTION C)
- ἐτέλεσαν πάντα τὰ κατὰ τὸν νόμον κυρίου (etelesan panta ta kata ton nomon kyriou) = „sie vollendeten alles nach dem Gesetz des Herrn." Die Tempelepisode wird vorn und hinten von voller Tora-Beachtung gerahmt (V.22-24, 39). Nach Option C: kyriou = „der Herr", Bezug JHWH (Wahrscheinlich). Lukas verdichtet die Reise und berichtet nicht das Bethlehem-nach-Ägypten-Material des Matthäus — die TT harmonisiert nicht.
40

Und das Kind wuchs und wurde gestärkt, mit Weisheit erfüllt, und die Gunst Gottes war auf ihm.

„WUCHS… MIT WEISHEIT ERFÜLLT" — WACHSTUMSFORMEL (1 SAM 2,26)
- τὸ δὲ παιδίον ηὔξανεν καὶ ἐκραταιοῦτο πληρούμενον σοφίᾳ (to de paidion ēuxanen kai ekrataiouto plēroumenon sophia) = „das Kind wuchs und wurde gestärkt, mit Weisheit erfüllt." Die Wachstumsformel parallelisiert die des Johannes (1,80) und spiegelt Schmuel (1 Sam 2,26) und Schimschon (Ri 13,24). Charis („Gunst/Gnade") ist hier Gottes Gunst, die auf dem Kind ruht (vgl. V.52). Die TT fügt die kursiv hinzu.
41

Und seine Eltern gingen jedes Jahr nach Yerushalayim (Jerusalem) zum Fest des Passa.

„JEDES JAHR… ZUM PASSA" — *TĒ HEORTĒ TOU PASCHA

κατ' ἔτος… τῇ ἑορτῇ τοῦ πάσχα (
kat' etos… tē heortē tou pascha) = „jedes Jahr… zum Fest des Passa." πάσχα (pascha*) = LXX-Transliteration des aramäischen/hebräischen Pesach. Die jährliche Wallfahrt (Ex 23,14-17; Dtn 16,16) zeigt erneut eine tora-treue Familie. Die TT gibt „Passa" wieder.
42

Und als er zwölf Jahre alt wurde, als sie nach dem Brauch des Festes hinaufzogen

„ZWÖLF JAHRE… NACH DEM BRAUCH" — *ETŌN DŌDEKA

ὅτε ἐγένετο ἐτῶν δώδεκα (
hote egeneto etōn dōdeka) = „als er zwölf Jahre wurde." Zwölf ist an der Schwelle zur rechtlichen/religiösen Verantwortung in späterem jüdischem Brauch; der Text nennt das Alter ohne Kommentar. Die TT fügt alt und als* kursiv fürs Deutsche hinzu.
43

und die Tage vollendeten, blieb, während sie zurückkehrten, der Knabe Yeshua (Jesus) in Yerushalayim (Jerusalem) zurück, und seine Eltern wussten es nicht.

„DER KNABE BLIEB ZURÜCK" — *HYPEMEINEN HO PAIS

ὑπέμεινεν Ἰησοῦς ὁ παῖς ἐν Ἰερουσαλήμ (
hypemeinen Iēsous ho pais en Ierousalēm) = „Jesus, der Knabe, blieb in Jerusalem zurück." Pais = „Knabe / Kind / Diener"; hier „Knabe." Die Unwissenheit der Eltern bereitet die Suche vor. Die TT fügt es* kursiv für das implizierte Objekt hinzu.
44

Und da sie meinten, dass er in der Reisegesellschaft war, gingen sie eine Tagereise und suchten ihn unter den Verwandten und den Bekannten,

„IN DER REISEGESELLSCHAFT" — *EN TĒ SYNODIA

νομίσαντες αὐτὸν εἶναι ἐν τῇ συνοδίᾳ (
nomisantes auton einai en tē synodia) = „meinend, er sei in der Reisegesellschaft." Synodia = die Karawane/Gruppe, die zusammen reist (woher „Synode"). Die große, gemischte Pilgergruppe macht das Versäumnis plausibel. Die TT fügt dass* kursiv hinzu.
45

und da sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn.

„KEHRTEN ZURÜCK… SUCHEND" — *ANEZĒTOUNTES

ὑπέστρεψαν εἰς Ἰερουσαλὴμ ἀναζητοῦντες αὐτόν (
hypestrepsan eis Ierousalēm anazētountes auton) = „sie kehrten nach Jerusalem zurück und suchten ihn." Das verdoppelte „Suchen" (V.44, 45, 48) baut die Angst auf, die die Mutter in V.48 äußert. Die TT fügt ihn* kursiv hinzu.
46

Und es geschah, nach drei Tagen, dass sie ihn im Tempel fanden, mitten unter den Lehrern sitzend, ihnen sowohl zuhörend als auch sie befragend.

„NACH DREI TAGEN… UNTER DEN LEHRERN" — *EN MESŌ TŌN DIDASKALŌN

μετὰ ἡμέρας τρεῖς εὗρον αὐτὸν ἐν τῷ ἱερῷ καθεζόμενον ἐν μέσῳ τῶν διδασκάλων (
meta hēmeras treis heuron auton en tō hierō kathezomenon en mesō tōn didaskalōn) = „nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel, mitten unter den Lehrern sitzend." „Nach drei Tagen" ist die Suchzeit (manche hören einen vorgreifenden Widerhall späterer „drei Tage"; die TT erzwingt ihn nicht). Der Knabe ist ein Lernender — „zuhörend und befragend" — noch nicht lehrend. Die TT fügt mitten* kursiv hinzu.
47

Und alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und seine Antworten.

„ERSTAUNT ÜBER SEIN VERSTÄNDNIS" — *EXISTANTO… SYNESEI

ἐξίσταντο… ἐπὶ τῇ συνέσει καὶ ταῖς ἀποκρίσεσιν αὐτοῦ (
existanto… epi tē synesei kai tais apokrisesin autou) = „sie waren erstaunt über sein Verständnis und seine Antworten." Existēmi = „erstaunt sein, außer sich sein." Wieder die Verwunderungsreaktion (vgl. V.18, 33). Sein synesis* („Verständnis, Einsicht") knüpft an das Weisheitsthema an (V.40, 52).
48

Und als sie ihn sahen, waren sie bestürzt, und seine Mutter sagte zu ihm: „Kind, warum hast du uns so getan? Siehe, dein Vater und ich suchten dich, betrübt."

„DEIN VATER UND ICH… BETRÜBT" — *ODYNŌMENOI

ὁ πατήρ σου κἀγὼ ὀδυνώμενοι ἐζητοῦμέν σε (
ho patēr sou kagō odynōmenoi ezētoumen se) = „dein Vater und ich suchten dich, betrübt." Maria nennt Josef schlicht „deinen Vater" (vgl. V.33) — der Wortlaut, dem die Antwort des Knaben (V.49) implizit mit „mein Vater" entgegentritt. Odynaōmai* = „in Angst/Schmerz sein." Die TT behält das ungeglättete „dein Vater und ich." [lexikalisch — WAHRSCHEINLICH]
49

Und er sagte zu ihnen: „Warum ist es, dass ihr mich gesucht habt? Wusstet ihr nicht, dass ich in den Dingen meines Vaters sein muss?"

KRITISCH — *EN TOIS TOU PATROS MOU* — DER EINE GÖTTLICH MARKIERTE AUSSPRUCH (REGEL 30) + CRUX
- οὐκ ᾔδειτε ὅτι ἐν τοῖς τοῦ πατρός μου δεῖ εἶναί με; (ouk ēdeite hoti en tois tou patros mou dei einai me?) = „wusstet ihr nicht, dass ich in den Dingen meines Vaters sein muss?" Die Wendung ἐν τοῖς τοῦ πατρός μου ist elliptisch — ein bestimmter Artikel ohne Substantiv — sodass sie „im Haus meines Vaters" (ergänze oikō/oikia) oder „in den Angelegenheiten/Geschäften meines Vaters" (ergänze pragmasin) oder „unter den Leuten meines Vaters" bedeuten kann. Die TT gibt das bloße „in den Dingen meines Vaters" wieder, mit Dingen kursiv, hält die Ellipse sichtbar und kennzeichnet dies als bekannte Crux. Der Ausspruch ist die erste überlieferte Rede Yeshuas und die erste Behauptung einer göttlichen Sohnschaft, die das „dein Vater" (V.48) leise überlagert. Nach Regel 30 wird die direkte Rede Yeshuas mit göttlich markiert — die einzige solche Spanne im Kapitel. δεῖ (dei, „es ist notwendig / ich muss") ist Lukas' Stichwort göttlicher Notwendigkeit. → Zu en tois tou patros mou und dem dei der Notwendigkeit siehe Begleitmaterial §D5. [lexikalisch-grammatisch — WAHRSCHEINLICH]
50

Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sprach.

„VERSTANDEN DAS WORT NICHT" — *OU SYNĒKAN TO RHĒMA

αὐτοὶ οὐ συνῆκαν τὸ ῥῆμα (
autoi ou synēkan to rhēma) = „sie verstanden das Wort nicht." Selbst Maria und Josef erfassen den Ausspruch nicht — die Erzählung widersteht es, sie zu vollkommenen Verstehenden zu machen. Rhēma* wieder „Wort/Sache." Dieses Nicht-Verstehen steht neben Marias „Bewahren" (V.51): sie hält fest, was sie noch nicht deuten kann.
51

Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Natzeret (Nazareth) und war ihnen untertan. Und seine Mutter bewahrte alle diese Dinge in ihrem Herzen.

„WAR UNTERTAN… BEWAHRTE ALLE DIESE DINGE" — *HYPOTASSOMENOS… DIETĒREI

ἦν ὑποτασσόμενος αὐτοῖς… ἡ μήτηρ αὐτοῦ διετήρει πάντα τὰ ῥήματα (
ēn hypotassomenos autois… hē mētēr autou dietērei panta ta rhēmata) = „er war ihnen untertan… seine Mutter bewahrte alle diese Dinge." Nach der Behauptung von V.49 kehrt der Knabe zu gewöhnlicher kindlicher Unterordnung zurück — die TT behält beides in Spannung, ohne es aufzulösen. Diatēreō („bewahrte, hütete") spiegelt V.19 (syntēreō); rhēmata* = „Dinge/Worte." Die TT gibt das innere Bewahren wieder.
52

Und Yeshua (Jesus) nahm zu an Weisheit und Gestalt und Gunst bei Gott und Menschen.

KRITISCH — DIE WACHSTUMSFORMEL (1 SAM 2,26)
- Ἰησοῦς προέκοπτεν σοφίᾳ καὶ ἡλικίᾳ καὶ χάριτι παρὰ θεῷ καὶ ἀνθρώποις (Iēsous proekopten sophia kai hēlikia kai chariti para theō kai anthrōpois) = „Jesus nahm zu an Weisheit und Gestalt und Gunst bei Gott und Menschen." Spiegelt eng 1 Sam 2,26 LXX von Schmuel („Samuel nahm zu… und war in Gunst beim Herrn und bei Menschen"). ἡλικία (hēlikia) = „Gestalt" oder „Alter/Reife" (beides möglich); charis = „Gunst/Gnade." Der Vers schließt die Kindheitserzählung ab und parallelisiert V.40. Die TT behält „Gestalt" mit vermerktem Alter-Sinn. [lexikalisch — WAHRSCHEINLICH]

Glossar

κύριος (*kyrios*)Herr / herr / GebieterBezug pro Vers verfolgt: JHWH (Option C, großgeschrieben, z.
ἄγγελος (*angelos*)BoteDer Bote und das himmlische Heer (V.9-14) sind von angelos-K
στρατιὰ οὐράνιος (*stratia ouranios*)himmlisches Heer / ArmeeDie Engelarmee, die das Gloria singt (V.13); von angelos-Kla
κατάλυμα (*katalyma*)Gästezimmer / Herberge / UnterkunftCrux in V.7; „Gästezimmer" (22,11) vs. „Herberge"; Lukas ver
φάτνη (*phatnē*)Futterkrippe / KrippeDie Futterkrippe des Tieres (V.7, 12, 16); Schrägstrich nach
πρωτότοκος (*prōtotokos*)erstgeborenRechtlich-kultischer Erstgeborener (V.7), an den Lösungsritu
εὐδοκία / εὐδοκίας (*eudokia* / *eudokias*)Wohlgefallen / GunstGloria-Crux (V.14): Genitiv eudokias = „Menschen (seiner) Gu
σωτήρ / σωτήριον (*sōtēr* / *sōtērion*)Retter / Heil (das rettende Ding)„Ein Retter" (V.11); „dein Heil" (V.30, das neutrale sōtērio
Χριστός (*Christos*)Messias / Gesalbter= Hebräisch Mashiach; „Messias, Herr" (V.11); „der Messias d
πνεῦμα ἅγιον (*pneuma hagion*)heiliger Wind/GeistAnarthrisch; Schrägstrich nach Regel 2. Auf/offenbarend für
παράκλησις (*paraklēsis*)Trost / TröstungSimeons Hoffnung, „der Trost Israels" (V.25), Jes 40,1.
λύτρωσις (*lytrōsis*)Erlösung / Loskauf„die Erlösung Jerusalems" (V.38); vgl. 1,68; Jes 52,9.
δεσπότης (*despotēs*)Gebieter / souveräner HerrSimeons Anrede an Gott (V.29) — Sklavenhalter-Bildsprache; u
ῥομφαία (*rhomphaia*)Schwert (Breitschwert)Das Schwert durch Marias Seele (V.35); das LXX-Wort für das
δεῖ (*dei*)es ist notwendig / mussLukas' Stichwort göttlicher Notwendigkeit (V.49).
ῥῆμα (*rhēma*)Wort / SacheSowohl „Wort" als auch „Ding/Sache" (semitisch davar): V.15,
ἡλικία (*hēlikia*)Gestalt / Alter-ReifeYeshua „nahm zu an Gestalt/Alter" (V.52); beide Sinne möglic

Ergänzend — Muster im ganzen Kapitel

KAPITELÜBERGREIFENDE VERFOLGUNG (HB -> Lukas)
1 Sam 16 / Mi 5,1 -> Lukas 2,4-11 — Beit-Lechem (Bethlehem), David und die Hirten:

Element1 Samuel 16 / Micha 5Lukas 2
BethlehemDavid in Bethlehem gesalbt (1 Sam 16,1.13)Geburt in „der Stadt Davids, die Bethlehem ist" (2,4.11)
Herrscher aus Bethlehem„aus dir wird einer kommen, Israel zu beherrschen" (Mi 5,1)„ein Retter… Messias, Herr… in der Stadt Davids" (2,11)
HirteDavid „vom Folgen der Herde" genommen (1 Sam 16,11)Hirten die ersten, die hören, bei der Herde nachts (2,8)


Die Geburt bindet den Geburtsort, die davidische Abstammung und die Hirtenzeugen an die Bethlehem-Prophetie und an David, Israels Hirtenkönig.

Ex 13,2.12-15 / Lev 12 -> Lukas 2,22-24 — der Erstgeborene und das Opfer des Armen:

ElementExodus / LevitikusLukas 2
Erstgeborener geweiht„jedes Männliche, das den Mutterschoß öffnet… JHWH heilig" (Ex 13,2.12)zitiert in 2,23
Reinigung der MutterRitus nach der Geburt (Lev 12,2-8)„die Tage ihrer Reinigung" (2,22)
Opfer des Armen„zwei Turteltauben oder zwei Tauben", wenn sie sich kein Lamm leisten kann (Lev 12,8)„ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben" (2,24)


Die Darstellung beachtet die Tora genau und markiert durch das Vögel-Opfer leise die Armut der Familie.

Jes 40,1-5 / 42,6 / 49,6 / 52,9-10 -> Lukas 2,25-38 — Trost, gesehenes Heil, Licht für die Nationen:

ElementJesajaLukas 2 (Simeon / Hanna)
Trost„Tröstet, tröstet mein Volk" (40,1)„erwartend den Trost Israels" (2,25)
Heil gesehen„alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen" (40,5; 52,10)„meine Augen sahen dein Heil" (2,30)
Licht für die Nationen„ein Licht der Nationen" (42,6; 49,6)„ein Licht zur Offenbarung der Nationen" (2,32)
Erlösung Zions„der Herr hat Jerusalem erlöst" (52,9)„erwartend die Erlösung Jerusalems" (2,38)


Simeon und Hanna äußern die jesajanische Hoffnung auf Trost und Heil, nun ausdrücklich neben Israel auch zu den Nationen ausgedehnt.

1 Sam 2,26 / Ri 13,24 -> Lukas 2,40, 52 — die Wachstumsformel:

Element1 Samuel / RichterLukas 2
Kind wuchs„Samuel wuchs… in Gunst bei JHWH und bei Menschen" (1 Sam 2,26)„nahm zu an Weisheit und Gestalt und Gunst bei Gott und Menschen" (2,52)
Gestärkt„das Kind wuchs, und JHWH segnete es" (Ri 13,24, Simson)„das Kind wuchs und wurde gestärkt, mit Weisheit erfüllt" (2,40)


Die beiden Summarienverse (2,40, 52) gießen den Knaben in die Form Schmuels und Schimschons — Kinder der Verheißung, die unter göttlicher Gunst wachsen.



ENDE VON LUKAS 2 — DIE TRANSPARENTE ÜBERSETZUNG (DEUTSCH)

„Eine Übersetzung, die nichts verbirgt."